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Meer, See & Küste
Seeschifffahrtsstraßen, KVR, Küstenmeer & Verkehrsordnungen verständlich erklärt
Wer mit dem Boot unterwegs ist oder einen Bootsführerschein plant, stößt schnell auf große Begriffe:
Sportbootführerschein See, Sportbootführerschein Binnen,
Kollisionsverhütungsregeln (KVR), Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO),
3-Seemeilen-Zone, Küstenmeer, AWZ und Hohe See.
Klingt erstmal nach viel – ist aber gut sortierbar.
Und genau das machen wir jetzt.
Binnen oder See – die grundlegende Einteilung
Ganz grundsätzlich gilt:
- Binnengewässer
→ Sportbootführerschein Binnen
→ Binnenschifffahrtsstraßenordnung - Seeschifffahrtsstraßen
→ Sportbootführerschein See
→ Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO)
Damit ist die grobe Richtung klar.
Jetzt schauen wir uns an, wo genau diese Bereiche liegen – und welche Regeln dort gelten.
Sportbootführerschein See und die 3-Seemeilen-Zone
Der Sportbootführerschein See (SBF See) wird auf Seeschifffahrtsstraßen benötigt.
Diese befinden sich innerhalb der sogenannten 3-Seemeilen-Zone (3 sm).
Was ist die 3-Seemeilen-Zone?
- Sie wird ab der Basislinie gemessen
- Die Basislinie verläuft vereinfacht gesagt entlang der Küste
- Alles innerhalb dieser 3 Seemeilen gilt als Seeschifffahrtsstraße
Warum genau 3 Seemeilen?
Das ist historisch begründet:
Früher reichte die Reichweite von Küstenkanonen ungefähr drei Seemeilen seewärts.
Was ein Staat verteidigen konnte, galt als beherrschbar – und damit als sein Hoheitsbereich.
Die Kanonen reichten nicht weiter.
Die Grenze blieb.
➡️ So entstand die bis heute relevante 3-sm-Zone.
Das Küstenmeer – die 12-Seemeilen-Zone
Über die 3-sm-Zone hinaus erstreckt sich das Küstenmeer.
Was ist das Küstenmeer?
- Alle Wasserflächen bis 12 Seemeilen seewärts der Basislinie
- Es gehört vollständig zum Hoheitsgebiet eines Staates
- Es unterliegt der nationalen Gesetzgebung
- Diese muss den internationalen Regeln des Seerechtsübereinkommens (SRÜ) entsprechen
Für Deutschland bedeutet das:
- Nord- und Ostsee bis 12 sm sind deutsches Hoheitsgebiet
- Zuständig sind die jeweiligen Bundesländer
Wichtig: Seeschifffahrtsstraßen im Küstenmeer
Jetzt kommt ein ganz entscheidender Punkt:
Nicht alles im Küstenmeer ist automatisch gleich geregelt.
Betonnte Fahrwasser im Küstenmeer
Innerhalb der 12-Seemeilen-Zone gelten bestimmte Bereiche ausdrücklich als Seeschifffahrtsstraßen.
👉 Das sind die betonnten Fahrwasser.
- Innerhalb der betonnten Fahrwasser
→ gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO) - Außerhalb der Fahrwasser
→ gelten die Kollisionsverhütungsregeln (KVR)
Einführung in die Verkehrsordnungen auf See
Verkehrsordnungen regeln den Seeverkehr und enthalten verbindliche Vorschriften für alle Verkehrsteilnehmer.
Im deutschen Küstenmeer und in Flussmündungen unterscheidet man insbesondere zwischen:
- Kollisionsverhütungsregeln (KVR)
- Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO)
(ergänzt durch Bekanntmachungen der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt – GDWS) - Schifffahrtsordnung Emsmündung (EmsSchO)
Diese Verkehrsordnungen enthalten unter anderem Vorschriften zu:
- Ausweich- und Fahrregeln
- Positionslichtern
- Sichtzeichen
- Schallsignalanlagen
Kollisionsverhütungsregeln (KVR)
Die Kollisionsverhütungsregeln (KVR) heißen offiziell:
Internationale Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See
Sie bilden die länderübergreifende, internationale Ordnung für den Seeverkehr.
Wo gelten die KVR?
- Uneingeschränkt auf der Hohen See
- In der 12-Seemeilen-Zone außerhalb der Fahrwasser
- In der AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone)
- Grundsätzlich überall dort, wo keine speziellere Regel greift
Die KVR sind damit das weltweit gültige Basisregelwerk für die Schifffahrt.
Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung (SeeSchStrO)
Die SeeSchStrO ist die deutsche nationale Ordnung für den Seeverkehr.
Wo gilt die SeeSchStrO?
- Nur auf deutschen Seeschifffahrtsstraßen
- Dazu gehören:
- Wasserflächen innerhalb der 3-Seemeilen-Zone
- Betonnte Fahrwasser im Küstenmeer
- Fahrwasser von Flussmündungen auch außerhalb der 3-sm-Zone
- Zufahrten zu Seehäfen
Der Begriff Seeschifffahrtsstraße kann dabei irreführend sein – es handelt sich nicht um eine „Straße“ wie an Land, sondern um definierte Wasserflächen mit besonderem Regelwerk.
Spezielles Recht vor allgemeinem Recht
Jetzt kommt der juristische Grundsatz, der alles zusammenhält:
👉 Spezielles Recht gilt vor allgemeinem Recht
Das bedeutet:
- Die KVR sind das allgemeine Regelwerk
- Die SeeSchStrO ist das speziellere Regelwerk
Stehen KVR und SeeSchStrO im Widerspruch, gilt immer:
SeeSchStrO vor KVR
Beispiel:
Die SeeSchStrO regelt, dass:
- Fahrzeuge, die dem Fahrwasser folgen, Vorfahrt vor Fahrzeugen haben,
die in das Fahrwasser einlaufen oder es kreuzen.
Diese spezielle Regel überlagert die allgemeinen Ausweichregeln der KVR.
Führerscheinpflicht auf Seeschifffahrtsstraßen
Sportboote sind auf Seeschifffahrtsstraßen unter bestimmten Voraussetzungen von der Fahrerlaubnispflicht ausgenommen.
Kein Führerschein erforderlich bei:
- Booten ohne Antriebsmaschine
- oder mit
- maximal 11,03 kW (15 PS) bei Verbrennungsmotoren
- maximal 7,5 kW (10,2 PS) bei Elektromotoren
Alles darüber:
👉 Sportbootführerschein See erforderlich
Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ)
Seewärts des Küstenmeeres beginnt die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ).
- Sie reicht bis max. 200 Seemeilen
- Sie gehört nicht zum Hoheitsgebiet eines Staates
- Der Küstenstaat darf dort Ressourcen nutzen (z. B. Fischerei, Rohstoffe)
Für die Schifffahrt gilt:
👉 Freiheit der Hohen See – und damit die KVR
Hohe See
An die AWZ schließt sich die Hohe See an.
- Kein Staat darf sie für sich beanspruchen
- Nutzung steht allen Staaten offen
- Trotzdem klare internationale Regeln
Oder salopp gesagt:
Frei, aber nicht regellos.
Abschluss
Zum Abschluss noch eine kleine Begriffsklärung, die viele Missverständnisse erklärt:
Im Alltag werden Meer, See und Küste oft synonym verwendet. Rechtlich und nautisch sind sie jedoch nicht dasselbe.
- Meer beschreibt das große, zusammenhängende Salzwassergebiet.
- See ist der nautische Begriff für den Seeraum außerhalb der Binnengewässer.
- Küste bezeichnet den Übergangsbereich zwischen Land und Meer – also keinen eigenen Rechtsraum, sondern einen geografischen.
Wer diese Begriffe sauber trennt, versteht auch schneller, warum auf scheinbar gleichem Wasser unterschiedliche Regeln gelten.
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