Von Krücken, Kursen und Kurswechseln

Binnen Sportbootführerschein

Es gibt Erinnerungen, die sich nicht in Worten festhalten lassen, sondern irgendwo zwischen Herz und Haut weiterleben.
Meine beginnt im Schlafanzug, mit fünfzehn Jahren, auf einem alten Dampfer nach Großbritannien.
Es war später Abend, der Wind peitschte über das Deck, es regnete in Strömen.
Aber ich stand dort, allein, frierend und nass in meinem hellblauen Snoopy-Schlafanzug.
Und ich liebte jede Sekunde davon.

Doch wie es manchmal ist: Das Leben kam dazwischen.
Und dieses Gefühl geriet mit der Zeit ein wenig in den Hintergrund.

Doch 2018 traf ich eine Entscheidung:
Ich wollte wieder aufs Wasser.

Also begann ich meine Scheine.
Mit einem gebrochenen Sprunggelenk – das Leben hat eben seinen eigenen Humor.

Am Tag der Prüfung warf ich meine Krücken ins Boot und wurde von wildfremden Menschen aufgefangen, wie in einer kleinen, improvisierten Rettungsaktion. Und ich war nicht allein auf diesem Weg.
Neben mir stand jemand, der diese Zeit zu etwas Besonderem machte – wir lernten, lachten, fluchten und wuchsen gemeinsam über uns hinaus.

Als ich die Prüfung bestanden hatte, warf ich die Krücken zurück an Land.
Von hinten wurde gedrückt, von vorne gezogen, ich wurde aus dem Boot gefischt wie ein etwas zu früher Fang – und ich wusste:
Das hier verändert gerade alles.

Und das tat es.

Ich begann in einer Sportbootschule zu unterrichten.
Zuerst nur ein bisschen, dann immer mehr.
Und mit jeder Stunde merkte ich, wie sehr mir das liegt.
Nicht nur der Umgang mit Menschen und das Bootfahren, sondern besonders die Theorie – das Erklären, das Vermitteln.
Das ist genau mein Ding.

Ich merkte, wie sehr ich liebe, anderen das Gefühl zu geben, das ich damals mit fünfzehn verlor und 2018 wiedergefunden habe.

Und Anfang 2025 gründete ich schließlich die erste Sportbootschule in Ludwigshafen.
Nicht, weil ich mir etwas beweisen wollte.
Sondern, weil ich wusste, dass dieser Weg meiner ist.

Heute stehe ich zwischen Fendern und Freiheit.
Zwischen Motoren und Momenten.
Zwischen kleinen Missgeschicken und großen Gefühlen.
Zwischen Unterricht und Abenteuer.
Zwischen gestern und dem, was als Nächstes kommt.