Die Rheinkilometrierung

Rheinkilometrierung Ludwigshafen Sportbootschule Ahoi & Tschüss

Rheinkilometrierung – was bedeuten die Zahlen, Kreuze und Tafeln am Rhein wirklich?

Wer regelmäßig auf dem Rhein unterwegs ist, kennt sie:
Weiße Tafeln am Ufer, schwarze Zahlen, kleine Kreuze dazwischen – und irgendwo stellt sich fast automatisch die Frage:

Was genau zeigen diese Zeichen eigentlich an?

Die Antwort lautet:
Sie gehören zur Rheinkilometrierung – einem Orientierungssystem, das für die Schifffahrt enorm wichtig ist, aber oft erstaunlich wenig bewusst wahrgenommen wird.

Zeit also, einmal genau hinzuschauen.

Was ist die Rheinkilometrierung?

Die Rheinkilometrierung ist ein Längen- und Orientierungssystem entlang des Rheins, mit dem sich jede Position eindeutig angeben lässt.

Sie beginnt bei
Rheinkilometer 0,0 in Konstanz
(am Ausfluss des Rheins aus dem Bodensee)

und endet bei
Rheinkilometer 1032,8 in Hoek van Holland,
dort, wo der Rhein in die Nordsee mündet.

Gezählt wird flussabwärts, also immer in Richtung Nordsee.

Wichtig dabei:
Die Rheinkilometer geben nicht die Luftlinie an, sondern die Strecke entlang des tatsächlichen Flussverlaufs – inklusive aller Kurven.

Warum braucht man die Rheinkilometrierung?

Die Rheinkilometrierung ist kein dekoratives Detail, sondern ein zentrales Arbeitsmittel der Schifffahrt.

Sie wird genutzt für:

  • Positionsangaben im Funkverkehr
  • Meldungen bei Unfällen oder Havarien
  • Angaben in Seekarten und Revierinformationen
  • Orientierung bei Schleusen, Häfen und Anlegestellen
  • Einsätze von Wasserschutzpolizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten

Kurz gesagt:
Wenn jemand wissen muss, wo genau etwas passiert ist, wird fast immer ein Rheinkilometer genannt.

Die großen Zahlen: ganze Rheinkilometer

Die auffälligsten Zeichen sind die weißen Tafeln mit schwarzen Zahlen.

Sie zeigen den vollen Rheinkilometer an.

Beispiel:
Steht dort die Zahl 431, befindest du dich auf Höhe von Rheinkilometer 431.

Diese Tafeln sind die wichtigste Orientierungshilfe und stehen gut sichtbar am Ufer.

Das schwarze Kreuz: der halbe Kilometer

Zwischen zwei vollen Rheinkilometern findet sich oft ein kleines schwarzes Kreuz (+) auf weißem Grund.

Dieses Zeichen steht für:

➡️ Rheinkilometer +0,5

also genau für den halben Kilometer zwischen zwei Zahlen.

Das Kreuz sorgt dafür, dass man die Markierung schnell erkennt – auch aus größerer Entfernung oder bei schlechter Sicht.

Die schmalen Balken: Orientierung in 100-Meter-Schritten

Wer genauer hinsieht, entdeckt zusätzlich schmale weiße Tafeln mit schwarzen Balken und kleinen Zahlen.

Diese zeigen die 100-Meter-Abschnitte innerhalb eines Rheinkilometers an:

  • Die Zahlen 1 bis 4 stehen für 100–400 Meter
  • Die Zahlen 6 bis 9 für 600–900 Meter
  • Die 5 fehlt absichtlich – sie wird durch das Kreuz bei 0,5 km ersetzt

So lässt sich die eigene Position auf 100 Meter genau bestimmen.

Warum der Rhein „90 Kilometer zu lang“ ist

Ein spannender Fakt, der viele überrascht:
Der Rhein ist tatsächlich rund 90 Kilometer kürzer, als es die Rheinkilometrierung vermuten lässt.

Der Grund liegt in der Geschichte.

Als die Rheinkilometrierung im 19. Jahrhundert festgelegt wurde, waren die damaligen Vermessungsmethoden noch vergleichsweise ungenau. Der stark gewundene Verlauf des Rheins machte exakte Messungen schwierig. Hinzu kamen später umfangreiche Rheinbegradigungen, bei denen Schleifen abgeschnitten und der Flusslauf verkürzt wurde.

Das Ergebnis:
Die gezählten Rheinkilometer sind heute länger als der tatsächliche Flusslauf.

Warum man die Zahlen trotzdem nicht geändert hat

Obwohl dieser Messfehler bekannt ist, blieb die Rheinkilometrierung unverändert.

Der Grund ist schlicht pragmatisch:

  • Alle Seekarten
  • alle Hafen-, Schleusen- und Pegelangaben
  • Funkverkehr, Behörden und Rettungsdienste
  • Verträge, Regelwerke und jahrzehntelange Praxis

arbeiten mit genau diesen Zahlen.

Eine nachträgliche Korrektur hätte mehr Verwirrung als Nutzen gebracht.

Deshalb gilt bis heute:

Die Rheinkilometrierung ist ein festes Bezugssystem – keine exakte Längenangabe.

Oder einfacher gesagt:
Der Rhein ist kürzer als gedacht.
Die Zahlen stimmen nicht ganz.
Und trotzdem sind sie genau richtig.

Warum das auch für Sportbootfahrer wichtig ist

Auch abseits der Berufsschifffahrt spielt die Rheinkilometrierung eine wichtige Rolle.

Bei einer Panne, einem medizinischen Notfall oder wenn Hilfe benötigt wird, ist die Angabe
„Ich befinde mich bei Rheinkilometer …“
oft die schnellste und eindeutigste Positionsbeschreibung.

Darum gehört die Rheinkilometrierung nicht nur in Seekarten, sondern auch in den Kopf von Sportbootfahrern.

R(h)eingeschaut heißt: hinschauen, einordnen, verstehen.

Genau dieses Prinzip zieht sich durch alle meine Kurse –
vom ersten Theorieabend bis zur Praxis auf dem Wasser.

Wenn du Lust hast, den Rhein bewusst zu erkunden,
findest du hier die passenden Kurse.